Lipödem und ADHS

Zwischen Trend und harter Realität

Gefühlt spricht aktuell jeder über ADHS bei Frauen. Auf Social Media, in Podcasts, in Interviews. Immer mehr Frauen erkennen sich plötzlich in typischen Symptomen wieder: innere Unruhe, Erschöpfung, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme, Chaos im Kopf und gleichzeitig der Anspruch, weiterhin zu funktionieren.

Doch was bedeutet das für Frauen mit Lipödem?
Handelt es sich um einen Trend oder um eine Realität, die lange übersehen wurde?

Warum plötzlich so viele Frauen über ADHS sprechen

ADHS war jahrzehntelang am Bild des „hyperaktiven Jungen“ orientiert. Mädchen und Frauen mit eher unauffälliger, nach innen gerichteter Symptomatik wurden häufig übersehen. Statt Hyperaktivität stehen bei ihnen oft folgende Aspekte im Vordergrund:

  • Innere Unruhe statt äußerer Zappeligkeit
  • Gedankensprünge und Überforderung
  • Vergesslichkeit und Organisationsprobleme
  • Starke Selbstkritik und Perfektionismus
  • Emotionale Überreaktionen

Viele Frauen haben gelernt, diese Schwierigkeiten zu kompensieren, durch Anpassung, Kontrolle und extreme Leistungsbereitschaft. Nach außen wirken sie „high functioning“. Innerlich kostet das jedoch enorme Energie.

Social Media hat dazu beigetragen, dass sich viele erstmals wiedererkennen. Das bedeutet nicht automatisch, dass es sich um eine Mode-Diagnose handelt. Es kann ebenso bedeuten, dass Wissen und Diagnostik endlich aufholen.

Lipödem, Dauerstress und das Nervensystem

Frauen mit Lipödem leben häufig bereits in einem chronischen Belastungszustand. Schmerzen, Druckgefühl, Entzündungsprozesse, Kompression, körperliche Einschränkungen und nicht selten auch Stigmatisierung erzeugen zusätzlichen Stress.

Chronischer Stress hält das Nervensystem dauerhaft im Alarmmodus. Das kann:

  • Schlaf verschlechtern
  • Regeneration blockieren
  • Entzündungsprozesse verstärken
  • Heißhunger und impulsives Essverhalten fördern
  • emotionale Reizbarkeit erhöhen

Viele Symptome, die vorschnell als „Disziplinproblem“ oder „Charakterschwäche“ bewertet werden, sind in Wahrheit Ausdruck eines überlasteten Systems. Der Körper sucht Sicherheit, oft über schnelle Belohnung wie Zucker oder Rückzug.

Gerade bei Lipödem ist es deshalb wichtig, nicht nur isoliert auf Gewicht oder Ernährung zu schauen, sondern das gesamte Stress- und Hormonsystem mitzudenken.

Die Rolle von Hormonen: Östrogen, Progesteron und ADHS-Symptome

Die Forschung zeigt deutliche Hinweise darauf, dass weibliche Sexualhormone Einfluss auf Aufmerksamkeit, emotionale Regulation und Stressverarbeitung haben.

Östrogen unterstützt unter anderem die Dopaminaktivität im Gehirn, ein zentraler Faktor bei ADHS. Sinkt der Östrogenspiegel, berichten viele Frauen über:

  • stärkeren Brain Fog
  • geringere Belastbarkeit
  • mehr Reizbarkeit
  • stärkere Impulsivität

Progesteron wirkt eher beruhigend auf das Nervensystem. Gerät dieses Gleichgewicht durch PMS, das Absetzen hormoneller Verhütung oder in der Perimenopause ins Schwanken, können Symptome intensiver werden oder ADHS-ähnlich erscheinen.

Wichtig ist dabei: Nicht jede Frau reagiert gleich. Und nicht jede hormonelle Schwankung bedeutet automatisch ADHS. Aber die Zusammenhänge verdienen Aufmerksamkeit.

Warum viele Frauen erst spät Hilfe suchen

In der Praxis zeigt sich immer wieder: Frauen kommen selten mit dem Anliegen „Ich glaube, ich habe ADHS“. Sie kommen wegen Erschöpfung, Schlafproblemen, emotionalem Essen, Angstzuständen oder depressiven Verstimmungen.

Häufig besteht die Belastung bereits seit der Kindheit oder Jugend. Doch durch Perfektionismus, People-Pleasing und hohe Leistungsbereitschaft wurden die Symptome jahrelang überdeckt.

Erst wenn neue Stressoren dazukommen, wie Kinder, Pflege von Angehörigen, Jobverantwortung, hormonelle Umstellungen, dann kippt das System. Dann entsteht der Eindruck eines plötzlichen Zusammenbruchs. In Wahrheit war die Überlastung oft über Jahre aufgebaut.

Trend oder Realität – was ist die richtige Frage?

Die entscheidende Frage ist nicht, ob ADHS „gerade im Trend“ ist.
Die entscheidende Frage ist:

Leidest du?
Wiederholen sich bestimmte Muster in deinem Leben?
Wird es immer anstrengender, den Alltag zu organisieren und emotional stabil zu bleiben?

Eine mögliche Diagnose ist kein Stempel. Sie kann ein Werkzeug sein. Ein Zugang zu mehr Verständnis, zu passenden Strategien und – im besten Fall – zu Selbstmitgefühl.

Gleichzeitig darf auch hinterfragt werden, ob Symptome möglicherweise durch chronischen Stress, Nährstoffmängel, hormonelle Dysbalancen oder dauerhafte Überforderung verstärkt werden.

Beides darf nebeneinander existieren: medizinische Abklärung und ganzheitlicher Blick.

Woran du erkennst, dass genaueres Hinschauen sinnvoll ist

Es lohnt sich, Unterstützung zu suchen, wenn u.a.:

  • die Themen sich seit Kindheit oder Jugend durchziehen
  • wiederkehrende Burnout-Phasen nach Überleistung auftreten
  • Struktur trotz hoher Motivation schwerfällt
  • emotionale Überreaktionen Beziehungen belasten
  • Essverhalten stark mit Stress verknüpft ist
  • Erholung selbst im Urlaub nicht mehr eintritt

Dann kann eine fachliche Abklärung sinnvoll sein, sowohl psychiatrisch als auch medizinisch, je nach Symptomlage. Dazu können beispielsweise Blutwerte, Eisenstatus, Vitamin D oder Schilddrüsenwerte gehören, ohne dass dadurch mögliche ADHS-Aspekte „weg erklärt“ werden.

Mit dir stimmt nichts „nicht“

Viele Frauen mit Lipödem haben über Jahre versucht, in einem System zu funktionieren, das nicht zu ihrem Nervensystem passt. Sie haben kompensiert, organisiert, angepasst und durchgehalten.

Wenn du dich in diesen Themen wiedererkennst, bedeutet das nicht, dass du falsch bist. Es kann bedeuten, dass dein Körper und dein Nervensystem zu lange im Überlebensmodus waren.

Du musst nicht erst komplett zusammenbrechen, um dir Hilfe zu erlauben.

Zwischen Trend und harter Realität liegt oft eine Wahrheit: Dein Körper versucht, dir etwas zu zeigen. Die Symptome sind die Sprache deines Körpers, hör genau hin und handle.

Bewirb dich auf ein kostenloses Erstgespräch unter: https://schwarztina.de/termin

Wer mehr über mich erfahren will, darf mich auch gerne auf Facebook / Instagram besuchen:
https://www.facebook.com/Tissi.Schwarz

Instagram: tina_schwarz.lipoedem_talk

Zu meiner Facebookgruppe „Lipödem – Die Kampfansage“
http://lipoedem-die-kampfansage.de

Nach oben scrollen